EBI-Poscht 2021 als pdf

EBI-Poscht April 2021 – Evangelische Brass Band Interlaken              

Liebe Passivmitglieder, liebe Aktive, liebe Leserinnen und Leser

Ferienzeit! Der Koffer ist ganz verstaubt, die beiden Schlösser klemmen. Da hilft nur rohe Gewalt. Schraubenzieher ansetzen, einige Hammerschläge darauf – nichts rührt sich. Was jetzt? Klar, schmieren und salben hilft allenthalben. Hier, das Restchen Salatöl in der Flasche wird wohl reichen. Schlösser bestreichen, eine Stunde einwirken lassen, Schraubenzieher und Hammer zum Zweiten… Klick, Klack – der Koffer ist offen, Ferien gerettet!

Dumm nur: Der eben beschriebene Vorgang hat nichts, aber auch gar nichts mit Ferien zu tun, im Gegenteil. Harte Arbeit ist angesagt. Denn der besagte Koffer ist bereits gefüllt mit kostbarem Inhalt. Es handelt sich nämlich um das „Inschtrumänte-Ggöferli“ mit meinem Cornet. Und wie der Koffer stinkt und aussieht! Allerlei kleine Viecher fühlen sich gestört, „ggraaggen“ aus Ecken und Löchern hervor und fliehen in alle Richtungen. Das Cornet sieht traurig aus und ist übersäht mit gelblichen Flecken, die Ventile lassen sich nicht mehr bewegen. Aus, fertig. Nur keine Panik – mache ich mir Mut. Wieder gehe ich ans Werk. Im Schrank hole ich das Ungeziefervernichtungsspray. Es räumt gründlich auf mit den kleinen Biestern und duftet erst noch gut. Das schon erwähnte Salatöl löst auch hier die eingerosteten Ventile besser als ein teures Spezialmittel und geht den unschönen Flecken auf dem Silberlack endgültig an den Kragen. Das Ergebnis: Fast neues Cornet, fast neuer Koffer. Die harte Arbeit – das Üben – kann wieder beginnen.

Wieder. Denn seit vielen Monaten steht die EBI still. Wir wissen warum. Ich habe mich an den probefreien Donnerstag gewöhnt, sogar sehr schnell. „Nümme vo Huus am Aabe“, nicht mehr üben, „so gäbig!“ Brauche ich die EBI überhaupt noch? Wohl kaum, es geht gut ohne mich und ich gehöre ja schon zum alten Eisen. Die Augen haben auch immer mehr Mühe mit den kleinen schwarzen Tupfen, genannt Noten. Diese schweisstreibende Notenleserei – muss ich mir das noch antun? Und die langweilige Überei zu Hause? Wohl kaum. – Muss ich mir das wirklich noch antun??

Meine Frau ist bestürzt über die Veränderung, die ich durchgemacht habe. „Was ischt ömel o mit Dier los? Waas, Du giischt nät meh gääre ga musige? Dier wellti de öppa!!“ Hört sich wie eine Drohung an… Ja, ich habe alles „la tschädere“, und mir ist wohl dabei. – Mir war wohl dabei, bis ich kürzlich in einer Radiopredigt folgende Worte hörte: „Singen will ich für den Herrn, solange ich bin, für meinen Gott will ich musizieren mein Leben lang. Wie freue ich mich über den Herrn – möge ihm mein Lied gefallen (Psalm 104)!“

Päng! Das hat gesessen, die Lage ist geklärt, das ist die Antwort auf meine Gleichgültigkeit, auf meine unchristlichen Gedanken… Und eben hat der EBI-Vorstand beschlossen: Es geht wieder los, am 1. Juli treffen wir uns zur Probe (irgendwo im Freien, auf dem Flugplatz, habe ich gehört…). Können wir sogar das Adventskonzert durchführen? Jedenfalls: Das berühmte Licht im Tunnel kommt näher.

Gehen wir also mit frischem Mut und viel Freude an unsere Instrumente. „Für meinen Gott will ich musizieren mein Leben lang!“ Noch Fragen??

Wir sehen uns, „u häbet Sorg i de Ferie!“

Herzliche Grüsse

Ruedi Ritschard