BRASSPOST 2026 als PDF

Liebe grosse Brass Band Familie

 „Du hesch e bsundrigi Begabig, für dumma Züüg z mache. Schäm di, dier chunnt jeda Mischt i Sinn. Zum Znacht git’s de nume Brot u Milch. U jetz ab i ds Chämmerli!“ Mein Muetti war aufgebracht, seine überhöhte Stimme gellt mir immer noch in den Ohren. Ich erhielt die Höchststrafe – die rote Karte – für das Köpfen von einigen blühenden Tulpen im Blumenbeet. Der scharf getretene Fussball verliess den direkten Weg zum Tor und machte einen kleinen Umweg über die prächtigen Blumen. Klar, die Tulpen waren solch übles Tun nicht gewohnt und liessen die Köpfe hängen. Und jetzt also eine ganze Stunde hinein in dieses schwarze Kämmerlein, wo Mäuse vorbeihuschten, wo es scharf nach Putzmittel und dreckigen Lumpen stank. Für einen kleinen Büebel wie mich fast nicht zum Aushalten, zu viel des Schlechten. Nach langen sechzig Minuten Finsternis durfte ich wieder an das Tageslicht kriechen und Mutters harte Gesichtszüge waren oh Wonne wieder etwas weicher geworden. Das „Bröösi Chääs“ zum Nachtessen kam mir vor wie die Friedenspfeife bei Winnetou und

„Old Tschätterhänd“. Das dunkle Loch hatte ab und zu Besuch, zum Glück nicht nur von mir. Und diese besondere Gabe, „dumma Züüg mache“ – ja, die habe ich halt hin und wieder eingesetzt …

Begabungen. Wir sind alle begabt. Gott hat uns allen eine besondere Gabe geschenkt. Nur: Wie unterschiedlich sind sie doch – aus unserer Sicht – diese Talente. Die einen sind klein, winzig, völlig unsichtbar. Andere gross und beeindruckend, wir können sie sehen, riechen, hören. Dann beginnt das Vergleichen: „I wett o eso sy wie dä, wenn i nume so chönnt spiele wie Solischt, i cha ja nüt u bi ja nüt.“

Kürzlich besuchte ich ein Klavierkonzert. Der Musiker stand auf und verkündete lautstark: „Ich bin sehr begabt!“ Hoppla Schorsch, da ist einer überzeugt von sich, dachte ich. Er fuhr weiter: „Aber wisst ihr was? Ihr alle seid genauso begabt wie ich. Nur anders. Ich bin nicht besser als ihr. Wie wäre das doch langweilig, wenn alle nur Klavier spielen könnten. Jede Gabe, jede Fähigkeit ist wunderbar. Gott hat allen die richtige Begabung geschenkt. Wir können auf diese Weise einander helfen und uns Gutes tun!“ – Ich staune heute noch, der Künstler hatte den berühmten Nagel haargenau auf den Kopf getroffen. Folgendes Zitat habe ich gelesen: „Der grosse Irrtum besteht heute darin, dass viele meinen, die eine Begabung sei höher zu werten als die andere.“ Genau diese Aussage machte der Pianist. Schielen wir also nicht mehr nach links und nach rechts. Hören wir auf mit dem unsäglichen
„i wett i chönnt“ und begräbt die Eifersucht oder den Neid. Lasst uns danken für die Talente, die uns der Himmlische Vater auf unseren Lebensweg mitgegeben hat. Die sind nämlich genau richtig.
Auch in unserer Brass Band sind die Talente verschieden verteilt. Das ist nun mal so. Ich bewundere die Spitzenbläser und seufze manchmal: „Wie schön wär’s doch, wenn i …“. Aber das bringt gar nichts. Dass ich immer noch mit allen anderen mitblasen darf ist für mich ein gewaltiges Vorrecht und Grund zum Danken. Das unterschiedliche bläserische Können ergibt dennoch ein wunderbares Ganzes, eine Einheit. Wir wollen unsere Begabungen dankbar zur Ehre Gottes und zum Wohl unserer Mitmenschen einsetzen.
Wer weiss, vielleicht schlummert ja irgendwo bei Euch ein Talent zum Blechblasen? Wenn diese Erkenntnis wie die Sonne am Morgen aufgeht, zögert nicht, handelt und meldet Euch bei uns. Wir helfen gerne weiter. Seid willkommen!

Herzlichen Dank für alle treue Unterstützung der Evangelischen Brass Band Interlaken und des Posaunenchors Spiez. Zwei Vereine – eine Brass Band. Verschiedene Begabungen – ein Ganzes. Wir fahren so weiter, spielen in verschiedenen Gottesdiensten, in Altersheimen und anderswo.
Und ganz bestimmt sehen und hören wir uns an den beiden Frühlingskonzerten am Samstag, 2. Mai um 19.30 Uhr in der Kirche Gsteig bei Interlaken, und am Sonntag, 3. Mai um 15.00 Uhr im Kirchgemeindehaus Spiez mit Kaffee und Kuchen. Wir freuen uns.

Bhüet Ech Gott und ein fröhliches Wiedersehen! – Ruedi Ritschard

BRASSPOST 2025 als PDF


Brass-Post Februar 2025

 

Liebe Aktiv- und Passivmitglieder, liebe Musikfreunde

Wenn es Euch nicht geben würde – wir könnten einpacken, die vielen Notenblätter entsorgen, die Instrumente verstauben lassen und uns am Donnerstagabend gemütlich im „Ruehbettli-Egge“ zu Hause niederlassen und Daumendrehen. Dank Euch allen sind wir aber weit entfernt von einem solch entsetzlichen Ereignis!

Herzlichen Dank Ihr Lieben für die grossartige Unterstützung in jeder Form, die wir – der Posaunenchor Spiez und die Evangelische Brass Band Interlaken vereint als eine Brass Band – jahrein, jahraus erleben dürfen. Ja, wir leben noch, und Ihr dürft uns erleben!

„Singen und Spielen will ich dem Herrn, solange ich bin. Für meinen Gott will ich musizieren mein Leben lang. Wie freue ich mich über den Herrn – möge ihm mein Lied, unsere Musik, gefallen!“ Psalm 104, 33+34, HFA. Was für ein unglaublich starker Psalm, voll Begeisterung für die Schöpfung, für den Schöpfer. Und für diesen einzigen wahren Gott dürfen wir musizieren. Was für ein Vorrecht. Sind wir uns dessen eigentlich bewusst? Dann steht da noch: „… musizieren mein Leben lang.“ Jetzt werde ich nachdenklich, denn in meinem Gehirn haben sich schon mehrmals Rücktrittsgedanken breit gemacht und sind sehr laut geworden: „Es isch Zyt, du söttisch höre, gsehsch ja d Noti fasch nümme, d Finger möge chuum meh naahi, drücksch geng lätz, bisch ewigs zwee Täkt z spät, bringsch geng di andere druus!“

Doch dann meldet sich der Psalm 104: „Hesch verstande, was da steit, he? ‚Mein Leben lang‘ steit da. U jetz wosch schlapp mache? Nobis, geit gar niid. Du bisch ja no guet zwääg. U die paar Fähler wo du da fabriziersch, die cha der Chef verchrafte, aber sicher! Süsch will i de rede mit ihm. Hesch begriffe? Fröi di doch am Musige für Gott!“ Klare, deutliche Worte. Also, ich fasse mir ein Herz und mache vorerst weiter. Und ja, Musik erhält jung und ist wie eine Dose Red Bull: Sie verleiht Flügel! Musizieren macht glücklich, entspannt, stärkt das Herz und reguliert den Blutdruck. Der Körper schüttet Glückshormone aus, die für gute Laune und Wohlbefinden sorgen. Schöne Musik kann sogar Gänsehaut erzeugen. Jedenfalls bei mir – das Ergebnis von Wohlklang und Harmonie. Musik – ein Arzneimittel erster Güte.

So wollen wir auch im neuen Jahr unsere Blechinstrumente erklingen lassen. Liebe Gottesdienstbesucher, bedenkt, dass wir als Brass Band nicht leise sein können … In der Bibel lesen wir viel von Posaunen und Trompeten. Wenn sie erschallen heisst das: Gott will uns etwas sagen, hört zu! Und Gott redet mit Macht und Kraft. Nicht leise und unverständlich. Wir spielen gerne fröhliche Musik, und die ist kräftig und klingt im Forte! „Lauter Jubel und fröhliches Singen“, davon lesen wir viel. Ich denke, Gott mag laute Musik. Darum: Leise spielen geht fast nicht mit unserem Blech. Obschon wir diese Spielart üben in der Probe. Aber wir haben Mühe damit, es ist soo schwer, glaubt es mir! „Die hei wider viel z lut gspielt“, hören wir ab und zu klagen.  Wem es wirklich zu laut ist: Einfach beide Zeigefinger in die Ohren und durchhalten. Und denkt daran: Gott mag es auch laut!

So wünschen wir Euch allen ein gesegnetes Jahr mit viel Musik, ob laut oder leise.

Zum Beispiel an unseren Konzerten am Samstag, 3. Mai, 19.30 Uhr in der Kirche Gsteig bei Interlaken und am Sonntag, 4. Mai, 15.00 Uhr im Kirchgemeindehaus Spiez mit Kaffee und Kuchen. Wir freuen uns auf Euren Besuch!

Gott befohlen und auf ein fröhliches Wiedersehen!  –  Ruedi Ritschard

EBI-Poscht 2023 als pdf

EBI / PC Spiez – Poscht März 2023

Liebe EBI- und Posaunenchor Spiez- Fangemeinde

Alles Ungemach der vergangenen drei Jahre ist vorbei, ist Schnee von gestern.
Dieses Bild ist bald auch nicht mehr brauchbar, ist doch Schnee immer häufiger Mangelware. Was soll’s – unsere Musikproduktion läuft auf Hochtouren, die Aufträge schneien herein, unser Auftragsbuch ist gut gefüllt wie in den meisten Industriebetrieben.
Lese ich doch da in der Zeitung: „Sustainable Business Development“. Tönt unaussprechbar gut. Mein einfaches Gemüt befiehlt mir: Kompi anwerfen und nachschauen. Dieses Wortgebilde heisst also: „Nachhaltige Unternehmungs-Entwicklung.“ Aha. Und warum nicht gleich deutsch? Eben, andersherum macht’s mehr Eindruck. Und jetzt? Alles, aber wirklich alles wird heutzutage auf Nachhaltigkeit geprüft. Sogar meine Jogging-Runde nehme ich unter die Lupe. Sind meine Laufschuhe nachhaltig gefertigt? Wo kommen die Joggerhosen her, laufe ich in einem Baumwoll-Leibchen besser oder im Run-Easy-Funktion-Shirt? Verursache ich Flurschäden? Wie viel Co2 stosse ich aus? Nachhaltig rennen verändert die Welt.
Es liegt in meinen Füssen. Wwaauu! Sogar der Gang aufs WC muss überdenkt werden. Ist dieses Geschäft wohl auch nachhaltig sauber …? Naja, die ARA wird’s schon richten.
Was ist denn überhaupt mit „nachhaltig“ gemeint? Unsere Brass Band ist ja auch ein Unternehmen, wir müssen uns auch an die vorgegebenen Richtlinien halten. Ich zähle drei Punkte auf:
Punkt 1: Ökologische Nachhaltigkeit bedeutet kein Raubbau an der Natur. Umwelt, Klima, Co2-Ausstoss und Langlebigkeit der Produkte lassen grüssen. Wir sind auf Kurs: Bald ist unsere Autoflotte umgerüstet auf E-Autos … und einer der Bläser fährt sogar mit dem Velo – ohne Motörli – bei Wind und Regen zur Probe. Dazu werden die Instrumente erst geschmissen, wenn sie nicht mehr ausgebeult werden können. Punkt 2: Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet dauerhaftes Wirtschaften mit gegebenen Mitteln, nicht über die Verhältnisse leben. – Das beherrschen wir wie Profis: Wir leben buchstäblich von den gegebenen und gespendeten Konzert-
Kollekten und von den Passiv- und Aktivmitgliederbeiträgen. Herzlichen Dank!
Punkt 3: Soziale Nachhaltigkeit bedeutet zivilisiertes Austragen von sozialen Spannungen. Das Zusammenleben im Staat, am Arbeitsplatz oder im Verein birgt viel Platz für Konflikte, lateinisch „confligere“ = Zusammentreffen, kämpfen:
Führungskraft gegen Mitarbeiter, Rollenkonflikte, Entscheidungskonflikte, welche Wahl ist die beste, wie geht es in die Zukunft, wer hat Ideen, usw. Bei uns im Verein gibt es ab und zu auch Spannungen – wo schon nicht. Aber die sind im Vergleich zur allgemeinen Weltlage winzig klein und lassen sich bei einem Kafi schnell lösen. Wir sind ja sozial, achten einander und brauchen einander. Liebe
Leserinnen und Leser: Das ist ein Aufruf, wer kann, der darf! An die Ventile und  Mundstücke, herzlich willkommen in unseren Reihen!
Soeben bin ich am Ziel meiner Laufrunde angekommen, und mit einem Augenzwinkern am Ziel meines schon fast nachhaltigen Nachhaltigkeitsaufsatzes.
Ich wünsche mir, dass dieser zu einem nachhaltigen Nachhall führen wird. Vor allem lege ich uns Punkt 3 ans Herz!

Herzlichen Dank für alle treue Unterstützung unserer Brass Band. Sehen wir uns am Frühlingskonzert? Wir arbeiten nachhaltig daran … Liebe Grüsse

Ruedi Ritschard

EBI-Poscht 2022 als pdf

EBI-Poscht April 2022 – Evangelische Brass Band Interlaken              

Liebe Passivmitglieder, liebe Aktive, liebe Leserinnen und Leser

Ich bin ein Ewiggestriger, Erz-Konservativer, ein starr am Hergebrachten und an den alten Traditionen festhaltender Mensch, altbacken und unverbesserlich … Ich habe Mühe mit Veränderungen. Bewährtes ist plötzlich nutzlos. Das Neue, das alte Ersetzende, bleibt bei mir oft irgendwo stecken auf dem Weg in die oberste haarbedeckte Körperhälfte. Dann bin ich heillos überfordert mit meinem einfachen Gemüt. Ein Chaos entsteht in meinem Hippocampus (Lernzentrum im Gehirn). Vermutlich ist dieses Teil bei mir nicht besonders gut ausgebildet. So geschehen bei der neuen deutschen Recht (oder Falsch …) schreibung. Darum schreibe ich weiterhin Gemse und halte mich überhaupt nicht an die vielen Veränderungen im schriftlichen Ausdruck. Die Erfinder:innen gaben später kleinlaut zu: Das Ganze war wohl nicht das Gelbe vom Ei. Dafür haben „sie“ uns jetzt das ganze „Tschendergstürm“ (Gender …) mit der unmöglichen gendergerechten Schreibweise eingebrockt. Schon wieder Überforderung pur. Muss ich jetzt mit Gender-Doppelpunkt arbeiten (ich hab’s vorhin versucht, sieht so was von doof aus), mit Gender-Schrägstrich, Gender-Bindestrich, Gender-Sternchen, Gender-Unterstrich, Gender-Ausrufezeichen und Gender-Fragezeichen?? Genau, lauter Fragezeichen für mich. Der Gender-Doppelpunkt wird übrigens beim Lautlesen durch einen stimmlosen glottalen Plosiv oder Verschlusslaut zum Ausdruck gebracht, d.h. die Stimmlippen werden für einen kurzen Moment vollständig geschlossen. Das versteht doch jeder Mann:Frau, oder? Sogar mein Hippo im Campus kommt da problemlos mit. – Heiterefahne, ich habe Euch, liebe Freund_innen noch nicht einmal begrüsst, so öppis!! Verzeiht mir bitte. Also:

Liebe Passivmitglieder und Passivmitgliederinnen, liebe aktive Bläser*innen (und aussen), liebe anderweitig Blechistrumenteblasende, liebe Leser/Innen, liebe uns Unterstützende!

Alles verändert sich, kein Stein bleibt mehr auf dem andern. Chaos überall auf der Welt. Aber Gott hat alles im Griff. Auch wenn das fast niemand mehr wahrhaben will. „Warum lässt Gott so viel Leid zu?“ Die bekannte Frage. Gegenfrage: „Warum wendet sich die Menschheit von Gott ab?“ Das oder der Böse kann noch eine Zeitlang wüten auf der Erde. Dann ist Schluss. Und diese Zeit nutzt Gottes Widersacher – und wie! Wir lassen uns die Freude auf eine göttliche Zukunft durch diese furchtbaren Ereignisse nicht nehmen. Gott wird eingreifen, ganz bestimmt und dem Elend ein Ende bereiten.
Wir Musiker:innen der EBI und des PC Spiez freuen uns auch. Wieder regelmässig proben ist doch einfach toll! Wir sind dankbar, durften wir unserem Publikum ein gut vorbereitetes Adventskonzert in Krattigen, Spiez und Unterseen vortragen. Die Augen leuchteten, die Instrumente glänzten, die Freude bei den Bläser!innen und den andächtig lauschenden Zuhörer?innen war gross. Nicht alles verändert sich. Zum Beispiel der Frühling: „Der Früehlig isch o scho uf d Bärge cho, er het vom Hüttli der Schnee wäg gnoh. Der Gugger het gschroue, är isch so froh, der Mai, der Mai isch cho.“ Wir EBI-ler1nnen sind auch froh. Im beigelegten Flyer steht alles über unsere Frühlingskonzerte. Leider durften wir „chäferbedingt“ erst Anfang März mit den Proben beginnen. Wir hoffen aber, dass die meisten Töne bis zum Konzertbeginn sitzen werden. Rassig und fröhlich, auch andächtig soll und wird unser Konzert tönen. Wie immer: Wir musizieren zur Ehre Gottes und zur Freude für alle Besucher:_1innen. Zum Schluss: Die nächste „EBI-Poscht“ wird wieder ohne Gender*/-!?:1_ – Verwirrung erscheinen. Versprochen!
Liebe Gäste/:innen, lieber Gast (liebe Gäst:1_in), Ich grüsse Euch herzlich mit Psalm 150.
Dort ist das Lesen klarer und weniger chaotisch … bis bald!

Ruedi Ritschard

EBI-Poscht 2021 als pdf

EBI-Poscht April 2021 – Evangelische Brass Band Interlaken              

Liebe Passivmitglieder, liebe Aktive, liebe Leserinnen und Leser

Ferienzeit! Der Koffer ist ganz verstaubt, die beiden Schlösser klemmen. Da hilft nur rohe Gewalt. Schraubenzieher ansetzen, einige Hammerschläge darauf – nichts rührt sich. Was jetzt? Klar, schmieren und salben hilft allenthalben. Hier, das Restchen Salatöl in der Flasche wird wohl reichen. Schlösser bestreichen, eine Stunde einwirken lassen, Schraubenzieher und Hammer zum Zweiten… Klick, Klack – der Koffer ist offen, Ferien gerettet!

Dumm nur: Der eben beschriebene Vorgang hat nichts, aber auch gar nichts mit Ferien zu tun, im Gegenteil. Harte Arbeit ist angesagt. Denn der besagte Koffer ist bereits gefüllt mit kostbarem Inhalt. Es handelt sich nämlich um das „Inschtrumänte-Ggöferli“ mit meinem Cornet. Und wie der Koffer stinkt und aussieht! Allerlei kleine Viecher fühlen sich gestört, „ggraaggen“ aus Ecken und Löchern hervor und fliehen in alle Richtungen. Das Cornet sieht traurig aus und ist übersäht mit gelblichen Flecken, die Ventile lassen sich nicht mehr bewegen. Aus, fertig. Nur keine Panik – mache ich mir Mut. Wieder gehe ich ans Werk. Im Schrank hole ich das Ungeziefervernichtungsspray. Es räumt gründlich auf mit den kleinen Biestern und duftet erst noch gut. Das schon erwähnte Salatöl löst auch hier die eingerosteten Ventile besser als ein teures Spezialmittel und geht den unschönen Flecken auf dem Silberlack endgültig an den Kragen. Das Ergebnis: Fast neues Cornet, fast neuer Koffer. Die harte Arbeit – das Üben – kann wieder beginnen.

Wieder. Denn seit vielen Monaten steht die EBI still. Wir wissen warum. Ich habe mich an den probefreien Donnerstag gewöhnt, sogar sehr schnell. „Nümme vo Huus am Aabe“, nicht mehr üben, „so gäbig!“ Brauche ich die EBI überhaupt noch? Wohl kaum, es geht gut ohne mich und ich gehöre ja schon zum alten Eisen. Die Augen haben auch immer mehr Mühe mit den kleinen schwarzen Tupfen, genannt Noten. Diese schweisstreibende Notenleserei – muss ich mir das noch antun? Und die langweilige Überei zu Hause? Wohl kaum. – Muss ich mir das wirklich noch antun??

Meine Frau ist bestürzt über die Veränderung, die ich durchgemacht habe. „Was ischt ömel o mit Dier los? Waas, Du giischt nät meh gääre ga musige? Dier wellti de öppa!!“ Hört sich wie eine Drohung an… Ja, ich habe alles „la tschädere“, und mir ist wohl dabei. – Mir war wohl dabei, bis ich kürzlich in einer Radiopredigt folgende Worte hörte: „Singen will ich für den Herrn, solange ich bin, für meinen Gott will ich musizieren mein Leben lang. Wie freue ich mich über den Herrn – möge ihm mein Lied gefallen (Psalm 104)!“

Päng! Das hat gesessen, die Lage ist geklärt, das ist die Antwort auf meine Gleichgültigkeit, auf meine unchristlichen Gedanken… Und eben hat der EBI-Vorstand beschlossen: Es geht wieder los, am 1. Juli treffen wir uns zur Probe (irgendwo im Freien, auf dem Flugplatz, habe ich gehört…). Können wir sogar das Adventskonzert durchführen? Jedenfalls: Das berühmte Licht im Tunnel kommt näher.

Gehen wir also mit frischem Mut und viel Freude an unsere Instrumente. „Für meinen Gott will ich musizieren mein Leben lang!“ Noch Fragen??

Wir sehen uns, „u häbet Sorg i de Ferie!“

Herzliche Grüsse

Ruedi Ritschard

BRASSPOST 2025 als PDF


Brass-Post Februar 2025

 

Liebe Aktiv- und Passivmitglieder, liebe Musikfreunde

Wenn es Euch nicht geben würde – wir könnten einpacken, die vielen Notenblätter entsorgen, die Instrumente verstauben lassen und uns am Donnerstagabend gemütlich im „Ruehbettli-Egge“ zu Hause niederlassen und Daumendrehen. Dank Euch allen sind wir aber weit entfernt von einem solch entsetzlichen Ereignis!

Herzlichen Dank Ihr Lieben für die grossartige Unterstützung in jeder Form, die wir – der Posaunenchor Spiez und die Evangelische Brass Band Interlaken vereint als eine Brass Band – jahrein, jahraus erleben dürfen. Ja, wir leben noch, und Ihr dürft uns erleben!

„Singen und Spielen will ich dem Herrn, solange ich bin. Für meinen Gott will ich musizieren mein Leben lang. Wie freue ich mich über den Herrn – möge ihm mein Lied, unsere Musik, gefallen!“ Psalm 104, 33+34, HFA. Was für ein unglaublich starker Psalm, voll Begeisterung für die Schöpfung, für den Schöpfer. Und für diesen einzigen wahren Gott dürfen wir musizieren. Was für ein Vorrecht. Sind wir uns dessen eigentlich bewusst? Dann steht da noch: „… musizieren mein Leben lang.“ Jetzt werde ich nachdenklich, denn in meinem Gehirn haben sich schon mehrmals Rücktrittsgedanken breit gemacht und sind sehr laut geworden: „Es isch Zyt, du söttisch höre, gsehsch ja d Noti fasch nümme, d Finger möge chuum meh naahi, drücksch geng lätz, bisch ewigs zwee Täkt z spät, bringsch geng di andere druus!“

Doch dann meldet sich der Psalm 104: „Hesch verstande, was da steit, he? ‚Mein Leben lang‘ steit da. U jetz wosch schlapp mache? Nobis, geit gar niid. Du bisch ja no guet zwääg. U die paar Fähler wo du da fabriziersch, die cha der Chef verchrafte, aber sicher! Süsch will i de rede mit ihm. Hesch begriffe? Fröi di doch am Musige für Gott!“ Klare, deutliche Worte. Also, ich fasse mir ein Herz und mache vorerst weiter. Und ja, Musik erhält jung und ist wie eine Dose Red Bull: Sie verleiht Flügel! Musizieren macht glücklich, entspannt, stärkt das Herz und reguliert den Blutdruck. Der Körper schüttet Glückshormone aus, die für gute Laune und Wohlbefinden sorgen. Schöne Musik kann sogar Gänsehaut erzeugen. Jedenfalls bei mir – das Ergebnis von Wohlklang und Harmonie. Musik – ein Arzneimittel erster Güte.

So wollen wir auch im neuen Jahr unsere Blechinstrumente erklingen lassen. Liebe Gottesdienstbesucher, bedenkt, dass wir als Brass Band nicht leise sein können … In der Bibel lesen wir viel von Posaunen und Trompeten. Wenn sie erschallen heisst das: Gott will uns etwas sagen, hört zu! Und Gott redet mit Macht und Kraft. Nicht leise und unverständlich. Wir spielen gerne fröhliche Musik, und die ist kräftig und klingt im Forte! „Lauter Jubel und fröhliches Singen“, davon lesen wir viel. Ich denke, Gott mag laute Musik. Darum: Leise spielen geht fast nicht mit unserem Blech. Obschon wir diese Spielart üben in der Probe. Aber wir haben Mühe damit, es ist soo schwer, glaubt es mir! „Die hei wider viel z lut gspielt“, hören wir ab und zu klagen.  Wem es wirklich zu laut ist: Einfach beide Zeigefinger in die Ohren und durchhalten. Und denkt daran: Gott mag es auch laut!

So wünschen wir Euch allen ein gesegnetes Jahr mit viel Musik, ob laut oder leise.

Zum Beispiel an unseren Konzerten am Samstag, 3. Mai, 19.30 Uhr in der Kirche Gsteig bei Interlaken und am Sonntag, 4. Mai, 15.00 Uhr im Kirchgemeindehaus Spiez mit Kaffee und Kuchen. Wir freuen uns auf Euren Besuch!

Gott befohlen und auf ein fröhliches Wiedersehen!  –  Ruedi Ritschard

EBI-Poscht 2023 als pdf

EBI / PC Spiez – Poscht März 2023

Liebe EBI- und Posaunenchor Spiez- Fangemeinde

Alles Ungemach der vergangenen drei Jahre ist vorbei, ist Schnee von gestern.
Dieses Bild ist bald auch nicht mehr brauchbar, ist doch Schnee immer häufiger Mangelware. Was soll’s – unsere Musikproduktion läuft auf Hochtouren, die Aufträge schneien herein, unser Auftragsbuch ist gut gefüllt wie in den meisten Industriebetrieben.
Lese ich doch da in der Zeitung: „Sustainable Business Development“. Tönt unaussprechbar gut. Mein einfaches Gemüt befiehlt mir: Kompi anwerfen und nachschauen. Dieses Wortgebilde heisst also: „Nachhaltige Unternehmungs-Entwicklung.“ Aha. Und warum nicht gleich deutsch? Eben, andersherum macht’s mehr Eindruck. Und jetzt? Alles, aber wirklich alles wird heutzutage auf Nachhaltigkeit geprüft. Sogar meine Jogging-Runde nehme ich unter die Lupe. Sind meine Laufschuhe nachhaltig gefertigt? Wo kommen die Joggerhosen her, laufe ich in einem Baumwoll-Leibchen besser oder im Run-Easy-Funktion-Shirt? Verursache ich Flurschäden? Wie viel Co2 stosse ich aus? Nachhaltig rennen verändert die Welt.
Es liegt in meinen Füssen. Wwaauu! Sogar der Gang aufs WC muss überdenkt werden. Ist dieses Geschäft wohl auch nachhaltig sauber …? Naja, die ARA wird’s schon richten.
Was ist denn überhaupt mit „nachhaltig“ gemeint? Unsere Brass Band ist ja auch ein Unternehmen, wir müssen uns auch an die vorgegebenen Richtlinien halten. Ich zähle drei Punkte auf:
Punkt 1: Ökologische Nachhaltigkeit bedeutet kein Raubbau an der Natur. Umwelt, Klima, Co2-Ausstoss und Langlebigkeit der Produkte lassen grüssen. Wir sind auf Kurs: Bald ist unsere Autoflotte umgerüstet auf E-Autos … und einer der Bläser fährt sogar mit dem Velo – ohne Motörli – bei Wind und Regen zur Probe. Dazu werden die Instrumente erst geschmissen, wenn sie nicht mehr ausgebeult werden können. Punkt 2: Ökonomische Nachhaltigkeit bedeutet dauerhaftes Wirtschaften mit gegebenen Mitteln, nicht über die Verhältnisse leben. – Das beherrschen wir wie Profis: Wir leben buchstäblich von den gegebenen und gespendeten Konzert-
Kollekten und von den Passiv- und Aktivmitgliederbeiträgen. Herzlichen Dank!
Punkt 3: Soziale Nachhaltigkeit bedeutet zivilisiertes Austragen von sozialen Spannungen. Das Zusammenleben im Staat, am Arbeitsplatz oder im Verein birgt viel Platz für Konflikte, lateinisch „confligere“ = Zusammentreffen, kämpfen:
Führungskraft gegen Mitarbeiter, Rollenkonflikte, Entscheidungskonflikte, welche Wahl ist die beste, wie geht es in die Zukunft, wer hat Ideen, usw. Bei uns im Verein gibt es ab und zu auch Spannungen – wo schon nicht. Aber die sind im Vergleich zur allgemeinen Weltlage winzig klein und lassen sich bei einem Kafi schnell lösen. Wir sind ja sozial, achten einander und brauchen einander. Liebe
Leserinnen und Leser: Das ist ein Aufruf, wer kann, der darf! An die Ventile und  Mundstücke, herzlich willkommen in unseren Reihen!
Soeben bin ich am Ziel meiner Laufrunde angekommen, und mit einem Augenzwinkern am Ziel meines schon fast nachhaltigen Nachhaltigkeitsaufsatzes.
Ich wünsche mir, dass dieser zu einem nachhaltigen Nachhall führen wird. Vor allem lege ich uns Punkt 3 ans Herz!

Herzlichen Dank für alle treue Unterstützung unserer Brass Band. Sehen wir uns am Frühlingskonzert? Wir arbeiten nachhaltig daran … Liebe Grüsse

Ruedi Ritschard

EBI-Poscht 2022 als pdf

EBI-Poscht April 2022 – Evangelische Brass Band Interlaken              

Liebe Passivmitglieder, liebe Aktive, liebe Leserinnen und Leser

Ich bin ein Ewiggestriger, Erz-Konservativer, ein starr am Hergebrachten und an den alten Traditionen festhaltender Mensch, altbacken und unverbesserlich … Ich habe Mühe mit Veränderungen. Bewährtes ist plötzlich nutzlos. Das Neue, das alte Ersetzende, bleibt bei mir oft irgendwo stecken auf dem Weg in die oberste haarbedeckte Körperhälfte. Dann bin ich heillos überfordert mit meinem einfachen Gemüt. Ein Chaos entsteht in meinem Hippocampus (Lernzentrum im Gehirn). Vermutlich ist dieses Teil bei mir nicht besonders gut ausgebildet. So geschehen bei der neuen deutschen Recht (oder Falsch …) schreibung. Darum schreibe ich weiterhin Gemse und halte mich überhaupt nicht an die vielen Veränderungen im schriftlichen Ausdruck. Die Erfinder:innen gaben später kleinlaut zu: Das Ganze war wohl nicht das Gelbe vom Ei. Dafür haben „sie“ uns jetzt das ganze „Tschendergstürm“ (Gender …) mit der unmöglichen gendergerechten Schreibweise eingebrockt. Schon wieder Überforderung pur. Muss ich jetzt mit Gender-Doppelpunkt arbeiten (ich hab’s vorhin versucht, sieht so was von doof aus), mit Gender-Schrägstrich, Gender-Bindestrich, Gender-Sternchen, Gender-Unterstrich, Gender-Ausrufezeichen und Gender-Fragezeichen?? Genau, lauter Fragezeichen für mich. Der Gender-Doppelpunkt wird übrigens beim Lautlesen durch einen stimmlosen glottalen Plosiv oder Verschlusslaut zum Ausdruck gebracht, d.h. die Stimmlippen werden für einen kurzen Moment vollständig geschlossen. Das versteht doch jeder Mann:Frau, oder? Sogar mein Hippo im Campus kommt da problemlos mit. – Heiterefahne, ich habe Euch, liebe Freund_innen noch nicht einmal begrüsst, so öppis!! Verzeiht mir bitte. Also:

Liebe Passivmitglieder und Passivmitgliederinnen, liebe aktive Bläser*innen (und aussen), liebe anderweitig Blechistrumenteblasende, liebe Leser/Innen, liebe uns Unterstützende!

Alles verändert sich, kein Stein bleibt mehr auf dem andern. Chaos überall auf der Welt. Aber Gott hat alles im Griff. Auch wenn das fast niemand mehr wahrhaben will. „Warum lässt Gott so viel Leid zu?“ Die bekannte Frage. Gegenfrage: „Warum wendet sich die Menschheit von Gott ab?“ Das oder der Böse kann noch eine Zeitlang wüten auf der Erde. Dann ist Schluss. Und diese Zeit nutzt Gottes Widersacher – und wie! Wir lassen uns die Freude auf eine göttliche Zukunft durch diese furchtbaren Ereignisse nicht nehmen. Gott wird eingreifen, ganz bestimmt und dem Elend ein Ende bereiten.
Wir Musiker:innen der EBI und des PC Spiez freuen uns auch. Wieder regelmässig proben ist doch einfach toll! Wir sind dankbar, durften wir unserem Publikum ein gut vorbereitetes Adventskonzert in Krattigen, Spiez und Unterseen vortragen. Die Augen leuchteten, die Instrumente glänzten, die Freude bei den Bläser!innen und den andächtig lauschenden Zuhörer?innen war gross. Nicht alles verändert sich. Zum Beispiel der Frühling: „Der Früehlig isch o scho uf d Bärge cho, er het vom Hüttli der Schnee wäg gnoh. Der Gugger het gschroue, är isch so froh, der Mai, der Mai isch cho.“ Wir EBI-ler1nnen sind auch froh. Im beigelegten Flyer steht alles über unsere Frühlingskonzerte. Leider durften wir „chäferbedingt“ erst Anfang März mit den Proben beginnen. Wir hoffen aber, dass die meisten Töne bis zum Konzertbeginn sitzen werden. Rassig und fröhlich, auch andächtig soll und wird unser Konzert tönen. Wie immer: Wir musizieren zur Ehre Gottes und zur Freude für alle Besucher:_1innen. Zum Schluss: Die nächste „EBI-Poscht“ wird wieder ohne Gender*/-!?:1_ – Verwirrung erscheinen. Versprochen!
Liebe Gäste/:innen, lieber Gast (liebe Gäst:1_in), Ich grüsse Euch herzlich mit Psalm 150.
Dort ist das Lesen klarer und weniger chaotisch … bis bald!

Ruedi Ritschard

EBI-Poscht 2021 als pdf

EBI-Poscht April 2021 – Evangelische Brass Band Interlaken              

Liebe Passivmitglieder, liebe Aktive, liebe Leserinnen und Leser

Ferienzeit! Der Koffer ist ganz verstaubt, die beiden Schlösser klemmen. Da hilft nur rohe Gewalt. Schraubenzieher ansetzen, einige Hammerschläge darauf – nichts rührt sich. Was jetzt? Klar, schmieren und salben hilft allenthalben. Hier, das Restchen Salatöl in der Flasche wird wohl reichen. Schlösser bestreichen, eine Stunde einwirken lassen, Schraubenzieher und Hammer zum Zweiten… Klick, Klack – der Koffer ist offen, Ferien gerettet!

Dumm nur: Der eben beschriebene Vorgang hat nichts, aber auch gar nichts mit Ferien zu tun, im Gegenteil. Harte Arbeit ist angesagt. Denn der besagte Koffer ist bereits gefüllt mit kostbarem Inhalt. Es handelt sich nämlich um das „Inschtrumänte-Ggöferli“ mit meinem Cornet. Und wie der Koffer stinkt und aussieht! Allerlei kleine Viecher fühlen sich gestört, „ggraaggen“ aus Ecken und Löchern hervor und fliehen in alle Richtungen. Das Cornet sieht traurig aus und ist übersäht mit gelblichen Flecken, die Ventile lassen sich nicht mehr bewegen. Aus, fertig. Nur keine Panik – mache ich mir Mut. Wieder gehe ich ans Werk. Im Schrank hole ich das Ungeziefervernichtungsspray. Es räumt gründlich auf mit den kleinen Biestern und duftet erst noch gut. Das schon erwähnte Salatöl löst auch hier die eingerosteten Ventile besser als ein teures Spezialmittel und geht den unschönen Flecken auf dem Silberlack endgültig an den Kragen. Das Ergebnis: Fast neues Cornet, fast neuer Koffer. Die harte Arbeit – das Üben – kann wieder beginnen.

Wieder. Denn seit vielen Monaten steht die EBI still. Wir wissen warum. Ich habe mich an den probefreien Donnerstag gewöhnt, sogar sehr schnell. „Nümme vo Huus am Aabe“, nicht mehr üben, „so gäbig!“ Brauche ich die EBI überhaupt noch? Wohl kaum, es geht gut ohne mich und ich gehöre ja schon zum alten Eisen. Die Augen haben auch immer mehr Mühe mit den kleinen schwarzen Tupfen, genannt Noten. Diese schweisstreibende Notenleserei – muss ich mir das noch antun? Und die langweilige Überei zu Hause? Wohl kaum. – Muss ich mir das wirklich noch antun??

Meine Frau ist bestürzt über die Veränderung, die ich durchgemacht habe. „Was ischt ömel o mit Dier los? Waas, Du giischt nät meh gääre ga musige? Dier wellti de öppa!!“ Hört sich wie eine Drohung an… Ja, ich habe alles „la tschädere“, und mir ist wohl dabei. – Mir war wohl dabei, bis ich kürzlich in einer Radiopredigt folgende Worte hörte: „Singen will ich für den Herrn, solange ich bin, für meinen Gott will ich musizieren mein Leben lang. Wie freue ich mich über den Herrn – möge ihm mein Lied gefallen (Psalm 104)!“

Päng! Das hat gesessen, die Lage ist geklärt, das ist die Antwort auf meine Gleichgültigkeit, auf meine unchristlichen Gedanken… Und eben hat der EBI-Vorstand beschlossen: Es geht wieder los, am 1. Juli treffen wir uns zur Probe (irgendwo im Freien, auf dem Flugplatz, habe ich gehört…). Können wir sogar das Adventskonzert durchführen? Jedenfalls: Das berühmte Licht im Tunnel kommt näher.

Gehen wir also mit frischem Mut und viel Freude an unsere Instrumente. „Für meinen Gott will ich musizieren mein Leben lang!“ Noch Fragen??

Wir sehen uns, „u häbet Sorg i de Ferie!“

Herzliche Grüsse

Ruedi Ritschard

EBI-Poscht 2020 als pdf

EBI-Poscht April 2020 – Evangelische Brass Band Interlaken              

Liebe Passivmitglieder, liebe Aktive, liebe Leserinnen und Leser

„Musik ist eine Kunstgattung, deren Werke aus organisierten Schallereignissen bestehen…“, habe ich kürzlich gelesen. Wir Bläserinnen und Bläser sind also Künstler und erzeugen Schall. Zum Glück nicht auch noch Rauch… Ja, gegenwärtig lösen sich viele geplante Anlässe – Konzerte, Versammlungen und dergleichen – in Schall und Rauch auf. Wir haben doch nicht alles im Griff, wie wir immer meinen. Ein kleiner Käfer, und wir sind geliefert.

So sind Veränderungen gegenwärtig an der Tagesordnung. Jeder Tag bringt neue
Weisungen aus dem Bundeshaus. Die Gesellschaft verändert sich. Was ist „die Gesellschaft“? Das sind wir, das ist die Gesamtheit der zusammenlebenden Menschen. Wir sind gefordert. Rücksicht nehmen auf unseren Nächsten ist jetzt angesagt. Ich bin in einer gefährdeten Altersstufe (das tönt dramatisch…) und erlebe, wie sich Mitmenschen liebevoll um uns zwei „alten“ Leutchen kümmern. Echt rührend. Ich bin gespannt, wie sich „die Gesellschaft“ verhält, wenn die Krise vorbei ist. Lernen wir daraus oder geht der ganze Leistungswahnsinn und Leistungsdruck weiter, noch ärger als vor der Corona Zeit? Bleiben wir unersättlich, noch mehr und noch mehr? Oder „chöme mer obenaha“, beginnt ein Umdenken, ein Besinnen auf das, was wirklich zählt in unserem Dasein?

Eigentlich wollte ich etwas von der EBI erzählen und nicht über „dä tuusigs Virus“. Also, einen oder zwei Tage vor dem Versammlungsverbot haben wir unsere HV gerade noch durchführen können. Wir erlebten ein tolles Vereinsjahr mit verschiedenen Gottesdiensteinsätzen und den erfolgreichen Frühlings- und Adventskonzerten. Besetzungsmässig kommen wir über die Runden, gegenwärtig zählen wir 21 Aktivmitglieder: 14 EBI und 7 Posaunenchor Spiez. Wir üben ja bekanntlich seit längerem zusammen und bestreiten unsere Auftritte gemeinsam. Das funktioniert prächtig und ist gelebte Nachbarschaftshilfe! – Jetzt etwas zum Ausdruck „Change-Management“. Ein Begriff aus der Wirtschaft, einer Organisation, eines Unternehmens oder Vereins und heisst so viel wie: Strukturen, Prozesse und Verhaltensweise tiefgreifend verändern. Wir sind eigentlich auch ein Unternehmen und haben uns einem „Change-Management“ unterzogen. Nicht „tiefgreifend“, aber gezwungenermassen nötig. Das heisst: Der Vorstand ist um Jahre jünger geworden. Denn: Nach 8 Jahren hat Kassier Werner Häsler (ü72…) sein Amt zur Verfügung gestellt. Neuer Säckelmeister ist Kurt Bärtschi vom Posaunenchor Spiez. Er betreut nun beide Kassen. Zudem hat Sekretär Ruedi Ritschard (ü75…) den Schreibstift nach 27 Jahren in andere Hände gelegt. Ursula Jordi – ebenfalls PC Spiez – übernimmt nun den Griffel und amtiert künftig als Schreiberling(in). Besten Dank an die beiden „alten“ (aber noch fitten…) Hasen, und viel Freude den beiden neuen Vorstandsmitgliedern. Gratulation zur Wahl! Weiter im Amt bleiben Präsident René Rohr, Vizepräsident Christian Jungen, Materialverwalter Toni Anliker und Dirigent Walter Liechti. Wir können also unbesorgt mit einer tollen Vereinsspitze ins neue Jahr starten. Wenn da nur nicht der besagte Käfer wäre. Keine Auftritte, keine Frühlingskonzerte. Sicher ist: Wenn die Krise überwunden ist, geht’s mit neuem Eifer viel Elan und einem motivierten Dirigenten weiter.
Liebe Freunde: Euch allen Freude schenken und Gott loben mit guter Musik ist unser Antrieb! Herzlichen Dank für jede Unterstützung. Wir sehen uns!

Ruedi Ritschard

EBI-Post 2019 als PDF

EBI-Poscht April 2019 – Evangelische Brass Band Interlaken              

Liebe Passivmitglieder, liebe Aktive und liebe EBI-Fans

Ja, das Alter! Ich spüre es immer deutlicher: Die Abstände zwischen den Geburtstagen werden zunehmend kleiner… Aber diese besonderen Tage sind gut für die Gesundheit: Je mehr wir davon feiern dürfen, desto länger leben wir. Wenn die Geburtstagskerzen jedoch mehr kosten als der Kuchen – ja, Freunde, glaubt mir, dann sind wir nicht mehr die Jüngsten, aber immerhin etwas weiser (oder weisser) geworden.

Versetzen wir uns kurz ins Jahr 1959. Sechzig Jahre sind seitdem vergangen. Die Amis schicken zwei Affen ins All, die Sowjets schiessen ihre erste Sonde zum Mond und der singende Seemann Freddy Quinn erobert am 30. April 1959 Platz 1 der Charts (Hitparaden) mit seinem Lied „Die Gitarre und das Meer.“

Der 30. April 1959 – ein wichtiges Datum für die Musikgeschichte. Da wurde im Altersheim Abendruh (jetzt Zentrum Artos) in Interlaken kein Gitarrenchor, aber der Posaunenchor Interlaken – jetzt Evangelische Brass Band – gegründet. Wir rechnen: Die EBI feiert den 60. Geburtstag. Im Gründungsprotokoll lesen wir: „Männer und Buben haben sich zusammengetan, um den Herrn mit Blasmusik zu loben. Möge der Herr unsern Chor zum Segen setzen.“ Zwei kurze, einfache Sätze, die heute noch gültig sind. In 60 Jahren geschieht mancherlei. Hochs, Tiefs, Glück und weniger Schönes. Auch der Posaunenchor wurde davon nicht verschont. Es gab Zeiten, da zählte der Verein noch acht Aktive, und an der HV 1967 waren stolze sieben Personen anwesend. Aufgeben? Überhaupt nicht. Mit Gottes Hilfe vorwärts Marsch!  In all den Jahrzehnten hat die EBI übrigens 13 Dirigenten (davon 1 Dirigentin) und 10 Präsidenten (davon 2 Präsidentinnen) „verbraucht“.

Beim „Schnöigge“ in den älteren Protokollen tauchen köstliche Perlen auf. Da ging es rabiat zu und her: „Der Dirigent konnte bei den meisten ihre Fehler mit dem Holzhammer eintrichtern.“ – Die Bläser waren alle mit einer guten Verdauung gesegnet: „Zum Anfang des gemütlichen Teils wurde ein kaltes Teller serviert, das von allen mit Heisshunger verschlungen wurde.“ – Das Amt des Ständeraufstellers (!) wurde mit Fr. 20.- im Jahr entschädigt, mehr als der Dirigent „verdiente“. Dieser musste sich mit einem Bluemestüdi zufrieden geben… – In früheren Jahren haben wir an den Konzerten regelmässig ein Männerchorlied vorgetragen (Bläser können auch gut singen!). Es kam vor, dass mit „vernichtender Kritik“ an den Musikstücken nicht gegeizt wurde. Dann hiess es etwa, schmunzelnd und augenzwinkernd: „Ds Lied het mer am beschte gfalle…“

Ja, schmunzeln, lachen, fröhlich sein, Geburtstage feiern – was für wichtige und gesunde Beschäftigungen in unserem Leben. Etwa so: „Nichts ist gesünder auf der Welt, als sich ab und zu krankzulachen!“ Mit viel schöner Musik wollen wir 60 Jahre EBI anlässlich unserer Frühlingskonzerte feiern. Wir erwarten Euch! Und herzlichen Dank für die immer grossartige Unterstützung in jeder Hinsicht.

Mit fröhlichen Grüssen

Ruedi Ritschard, Sekretär

EBI-Poscht März 2018 – Evangelische Brass Band Interlaken              

Liebe Aktiv- und Passivmitglieder, liebe EBI-Familie 

Was, bin ich schon wieder an der Reihe, schon wieder EBI-Poscht schreiben? Ist das vergangene Jahr schon wieder Schnee von gestern? Was soll ich nur in die Tasten hauen, waseliwaas?

Sagt ein Pinguin mit einem Thermometer in der Hand zum Kollegen: „Schau mal, bloss 30 Grad unter Null.“ – Der andere tanzt vor Freude und schreit: „Ja, toll, endlich wird es Frühling!“

Ich stelle mir vor, wie er – der Frühling – langsam erwacht, herzhaft und ausgiebig gähnt und sich verwundert die Augen reibt: „Was, bin ich schon wieder an der Reihe? Ist Freund Winter schon Schnee von gestern? Na, dann mal los!“ – Und wie er loslegt, ungestüm, voller Lebenslust, überschwänglich, farbig und kräftig. Jahr für Jahr erfreut er uns mit tausend Wundern. Einfach so, ohne unser Dazutun. Danke!

Ich bin also auch an der Reihe und sollte auch loslegen. Irgendwie bin ich blockiert, leer. Da liegt sie vor mir, die leere Seite und starrt mich an, hässlich, böse, gemein. Wir starren einander an, der Kampf tobt. Aha, das wird jetzt wohl die berühmteste aller Blockaden sein: Die sogenannte Schreibblockade. Wer schreibt, kennt sie. Tage, Wochen, Monate kann sie dauern. Ich kaue am Griffel und stöhne. – Da hilft nur frische Luft. Hinaus, bewegen, in den Wald, schwitzen, den Puls hochtreiben.

Vollgetankt mit Sauerstoff und Frühlingsluft ist die Schreibblockade Schnee von gestern und die Tastatur täggelet fast von selbst.

In der EBI kennen wir Bläserinnen und Bläser auch Blockaden. Manchmal nützt alles Üben nichts, es geht nicht vorwärts. Zum Glück kennt unser Chefdirigent dieses Problem nicht. Er schreibt Noten, komponiert, arrangiert und versprüht das ganze Jahr nichts als Lebenslust und Lust auf Musik! Walter Liechti und Blockade – nicht vorstellbar. Und darum sind unsere Blockaden meist auch nur von kurzer Dauer. Zum Glück, denn: Unser Frühlingskonzert naht mit Riesenschritten. Wir haben noch zu tun und müssen kräftig loslegen, der Frühling – und Walter! – sind dabei unsere Vorbilder und Antreiber.

Das Zweinulleinsacht, das angefangene Jahr, will vollgeschrieben werden und wartet auf unsere Einträge. Das noch fast leere Blatt wartet auf Ihre Alltagsgeschichten. Ihr alle könnt Geschichte schreiben und mithelfen, dass wir ein gutes Jahr erleben dürfen. Gott steht hinter uns, steht vor uns und steht uns zur Seite, auf Schritt und Tritt, Tag für Tag. Er hilft uns, Schreib- und viele andere Blockaden zu lösen, auch musikalische. Ganz sicher.

Für die treue Unterstützung der EBI und des Posaunenchors Spiez danke ich Euch von Herzen. Und wer gerne bei uns spielen möchte: Nicht zögern – dann mal los, wie der Frühling!

Machet’s guet, es grosses Vergält’s Gott u härzlechi Grüess

Ruedi Ritschard